Dagmar Schipanski

Dagmar Schipanski

* 03.09.1943
† 07.09.2022
Erstellt von FUNKE Thüringen Verlag GmbH
Angelegt am 14.09.2022
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Kondolenz

In Gedanken an eine Freundin aus Kindertagen

27.09.2022 um 12:47 Uhr von Hans-Henning Paetzke

Mein lieber Tigran, liebe Stefanie, lieber Tangred, liebe Agnes, vor drei Tagen hat meine Tochter Rachel die Traueranzeige aus dem Briefkasten gefischt, während ich auf dem Land weile. Schock pur! Meine enge Freundin aus Kindertagen, nur zwei Tage jünger als ich, ist den Weg alles Irdischen gegangen. Nachdem unser Kontakt angesichts unterschiedlicher Lebenswege und Aufenthaltsorte geruht und sich dann vor über zwanzig Jahren wieder belebt hat, war es, als habe es eigentlich nie eine Pause gegeben.Gern denke ich an unsere gemeinsame Arbeit im Dramatischen Zirkel zurück. Vor allem an die Inszenierung von Tom Sawyers Abenteuer. Worin ich den Tom spielen durfte und Dagmar die Becky. Die zu spielende Kussszene mit Dagmar hat mir, dem Dreizehnjährigen, schlaflose Nächte und Albträume beschert. Auch das eine Mal, als wir nach einer Probe vom Lindenberg händchenhaltend  nach Hause schwebten. Auf Wolke Sieben. Doch dies war nur ein zaghaftes Vorantasten auf dem Weg zum Erwachsenwerden. Nichts wirklich von Berlang.Dann trennten sich unsere Wege. Dagmar beschritt unaufhaltsam den Weg zu wissenschaftlichen und schließlich auch politischen Höhen in den achtziger Jahren dann, nachdem ich den Weg über das Zuchthaus Cottbus, Budapest und Frankfurt am Main genommen hatte, vorerst mühsam mich auf Erfolgshügel hinaufkämpfend, In den achtziger Jahren schließlich durfte ich meine Eltern in Ilmenau besuchen. Und so natürlich auch meine alten Klassenkameraden Dagmar und Tigran, die mir stolz ihre Kinder präsentierten. Bewundern durfte ich die biologische Glanzleistung: drei Kinder, ein Mädchen und ein Zwillingspaar.Aus Euch Kindern sind wohl, so glaube ich, inzwiscehn zwei gestandene junge Frauen und ein hoffnungsvoller Politiker geworden. Du, lieber Tigran, warst wohl stets ein stolzer Vater und Ehemann. Zu Recht, wie ich meine.Und Dagmar eine stolze Mutter und Ehefrau. Die Kochen und Arbeit phantastisch miteinander verbunden hat. Davon konnte ich mich in den zurückliegenden Jahren mehrfach überzeugen! Zumindest von den Fressgelagen, mit denen sie ihre Gäste gern verwöhnte. Was wäre gewesen, wenn Du, meine liebe Dagmar, Bundespräsidentin geworden wärst? Eine richtige Vorstellung davon habe ich freilich nicht. Die Verweigerung weiblicher Solidarität im Bundestag hat einem Mann den Vorrang gegeben.Doch eines glaube ich schon, Du hättest Dich gut gemacht und so manchem Deiner Vorgänger und Nachgfolger den Rang abgelaufen. Doch dies zu beweisen, blieb ihr leider nicht vergönnt! Das dürfte Dich sicher geschmerzt haben. Wie auch mich persönlich. Wäre ich doch gern auf meine Freundin aus Kindertagen stolz gewesen. Dennoch darf man mit Fug und Recht behaupten, dass Dagmar ein erfülltes und erfolgreiches Leben gahabt hat. Sowohl privat als auch beruflich.

Nur eines , liebe Dagmar, nehme ich Dir übel: Nämlich dass Du Dich so schnell aus dem Staub gemacht hast Ohne dass ich mich von Dir verabschieden konnte.

An Deinem Geburtstag, der ja nur zwei Tage nach meinem liegt, habe ich all die Jahre an Dich gedacht. Wie auch jetzt an diesem 3. September. Doch gratuliert haben wir uns nie.Wie ich von Tigran erfahre, bist Du wohl just an Deinem Geburtstag ins Koma verfallen, hast Dich auf Deine letzte Reise begeben. Hinaus aus dieser Welt, hinüber in eine andere. Deine leibliche Hülle wird nicht mehr existieren, Deine Seele aber dürfte unsterblich sein!

Euch allen Vieren mein herzlichstes Beileid. In Gedanken umarme ich Euch! In tiefer Trauer um eine gute Freundin, Euer

Henning

Thüringer Allgemeine

vom 17.09.2022

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vom 17.09.2022
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